Die Entstehung unserer Welt ist ein noch ungelöstes Geheimnis. Vor jedem Beginn, den die Wissenschaft gefunden zu haben glaubt, steht immer wieder ein neuer Beginn, und je größer die Summe des Erforschten ist, desto dringender wird die Frage nach dem Unerforschten: Woher kommen wir? Wohin gehen wir?
Die Reliquien der vorgeschichtlichen Vergangenheit des Menschen wurden von Fachgelehrten mit den modernsten Methoden untersucht und mit Tierknochen und Skeletten aus der gleichen Zeit verglichen. Auf diese Untersuchungen gestützt, sagt die Wissenschaft, daß menschenähnliche Wesen schon vor über einer Million Jahren lebten. Mehr als eine Million Jahre! — Das ist ein für unsere Begriffe unfaßbarer Zeitraum. Es hilft unserem Vorstellungsvermögen nur wenig, daß die Fundorte der Schädel und Knochenreste als Kennworte zur Bezeichnung unserer Vorfahren dienen: Heidelberg-, Peking-, Java-, Steinheim-, Neandertal-Urmensch und Altmenschen — wir sehen Schädel, deren Formen sich für unser ungeschultes Auge kaum voneinander unterscheiden. Wer die niedrige Schädelhöhe, die fliehende Stirn, die mächtigen Augenbrauen und vor allem das vorspringende Gebiß des Java-Menschen mit dem Schädel eines Affen vergleicht, könnte der alten Lehre der Abstammung des Menschen vom Affen vor 236000 zuneigen. Der Schädel des Steinheimer Menschen hingegen, ist der o Kopfform des heutigen Menschen schon ähnlicher.
Zahlreiche Skelettreste wurden im Neandertal bei Düsseldorf gefunden. Wenn man die Erscheinung des nach dem Fundort benannten Neandertalers nachbildet, fallen der ungewöhnlich große Schädel und der untersetzte Bau des Körpers auf. Auch der Neandertaler hat eine niedrige, fliehende Stirn, eine breite Nase, ein vorstehendes Gebiß, und wenn man sich vergegenwärtigt, daß er sich gebückt, vornübergebeugt vorwärts bewegte und zum Schutz gegen Kälte dicht behaart war, dann erscheint der Gedanke nicht ganz erfreulich, daß der Neandertaler als unser urmenschlicher Vorfahre gelten soll.
Der Neandertaler hat in der sogenannten »jüngeren Altsteinzeit« gelebt.
Wir dürfen uns nicht dadurch befremden lassen, daß die Geologen, die Erforscher der Erdschichten, mit noch unvorstellbareren Zeiträumen rechnen als diejenigen Forscher, die sich »nur« mit dem Ursprung der Menschheit beschäftigen. Für die Geologen ist der
DAS ALTERTUM VOM DENKEN ZUM BESSEREN LEBEN
Bis 540 Mill.v.Chr.
ab 60 Mill, v. Chr.
Mensch ein Neuankömmling auf der Erde, die sich nach ihren Berechnungen seit mehr als dreieinhalb Milliarden Jahren um die Sonne und um die eigene Achse dreht. Seit ihrem Anfang hat die Erde verschiedene Formen angenommen und sich in ihrer Zusammensetzung unaufhörlich verwandelt: vom flüssigen Feuer sich spaltender Atome zu dampfenden Gasen und Nebeln, zu Verdichtungen aller Art, bis die feste Kruste der Erdoberfläche entstand, die von den Meeren umspült wird. Aber auch seit der Erdball seine heutige, an den Polen abgeflachte Kugelform angenommen hat, sind Veränderungen auf seiner Oberfläche vor sich gegangen. Die Erdschichtforscher haben diese Entwicklung genau untersucht und zeitlich eingeteilt; sie sprechen von der Erdfrühzeit (Algonkium), dem Erdaltertum (Paläozoikum), dem Erdmittelalter (Mesozoikum) und der Erdneuzeit (Neozoikum).
In diesen schier unendlichen Zeiträumen haben sich die geologischen Schichten gebildet, die durch Tiefbohrungen erforscht wurden. Trotz modernster Methoden sind diese Bohrungen bisher aber nicht tiefer unter die Erdoberfläche gedrungen als etwa sechstausend Meter. Diese geologischen Untersuchungen, die von Gelehrten anderer naturwissenschaftlicher Gebiete überprüft und ergänzt wurden, haben zu wertvollen Erkenntnissen geführt, zum Beispiel über die Entstehung der Öl- und Kohlevorkommen unter der Erdoberfläche und über die Entstehung und Weiterentwicklung des Lebens in den einzelnen Epochen der Erdbildung : vom Schalentier zum Krustentier, vom Fisch zum Reptil, von den Vögeln zu den Säugetieren.
Die Ergebnisse und die Bewertung dieser Forschungen schwanken mit den Methoden der wissenschaftlichen Erkenntnis. Die Gelehrten sind gezwungen, sich über das Konkrete, das Greifbare und Faßbare in eine abstrakte Welt zu erheben und sich durch Formeln und Sinnbilder miteinander zu verständigen, die oft nur dem, der in die Geheimnisse der höheren Mathematik eingeweiht ist, verständlich sind. Sogar auf einem Gebiet, auf dem sich die gesamte Gelehrtenwelt schon recht sicher fühlte, traten in letzter Zeit neue Anschauungen auf, durch die bereits feststehende Gesichtspunkte im wahrsten Sinne des Wortes verschoben werden.
Es handelt sich um die sogenannten Eiszeiten, die Frostperioden, die den Erdball in den letzten sechshunderttausend Jahren heimgesucht haben sollen und durch Warmzeiten unterbrochen waren. Die allgemeine Anschauung ging dahin, daß große Teile Nordamerikas, Asiens und Europas viermal von Eis bedeckt waren. Diese Eiszeiten wurden nach kleinen Flüssen des deutschen Alpenvorlandes, den Abschmelzrinnen einzelner Gletschervorstöße, als Günz-, Mindel-, Riß- und WürmEiszeiten benannt. Die Entstehung und Dauer dieser Eiszeiten und die sie ablösenden Warmzeiten wurden auf Schwankungen der Strahlungsenergie, welche die Erde von der Sonne empfängt, zurückgeführt. Die neueste Forschung unternimmt es, nachzuweisen, daß die Eiszeiten nicht dadurch, sondern durch die Bewegung der Erdkugel entstanden sind, die in ihrer Drehung um sich selbst und um die Sonne ihren Nord- und Südpol verschoben hat, so daß sich die Wirkung der Sonnenstrahlen auf verschiedene Gebiete der Erdoberfläche entsprechend dieser Verschiebung verändern mußte.
Tags: Christi Geburt