Das Altertum

Die Organe entwickeln sich durch Übung. Sprechen zu lernen und das Gesprochene nicht nur zu hören, sondern auch im Sinn zu erfassen, wurde eine der großen Erfahrungen und Leistungen des Menschen.

Die Fähigkeit zur Verständigung führte auch dazu, daß Mann und Frau sich nicht nur durch die körperliche Vereinigung miteinander verbanden und fortpflanzten, sie teilten sich auch Gedanken mit und wurden dadurch einig und eins. Ob die Frau die Lehrmeisterin des Mannes war oder umgekehrt, das wird wohl nie zu ergründen sein. Gewiß ist allerdings, daß ihr Verhalten zueinander, die Bewertung ihrer gegenseitigen Bedeutung, die Achtung, die sie voreinander hatten, schon in frühester Zeit von ihren Lebensgewohnheiten abhing.

Das Altertum

Das Altertum

Wie meist in der Tierwelt ist in der Welt der Menschen der Mann körperlich überlegen. Er ist höher gewachsen, er hat stärkere Muskeln, er scheint widerstandsfähiger z- u sein. Aber es ist sehr wahrscheinlich, daß in der Zeit der frühesten Menschen die Frau besser oder mehr gedacht hat, denn sie war es, die das Genießbare aufspürte und kostete, sammelte und verwahrte. Sie legte Vorräte an und verwaltete sie. Sie war die Hüterin der Höhle, die dem Mann und ihr selbst Schutz gewährte. Sie sandte den Mann hinaus auf die Jagd und sorgte dafür, daß er am Eingang der Höhle Wache hielt.

Die verschiedenen Tätigkeiten von Mann und Frau erforderten bald auch verschiedene Hilfsmittel. Der Mensch hat weder große Fänge noch nennenswerte Krallen. Was er aber nicht hat, das kann er herstellen. Er hat die Hand: das Werkzeug der Werkzeuge. Ein scharfer Stein in seiner Faust ersetzte die Kralle des Raubtieres, und wenn sich der Stein nicht durch Sonnenglut oder Regen vom Felsen gelöst hatte, dann löste ihn der Mensch. Wenn das abgesplitterte Stück von vornherein nicht scharf genug war, lernte der Mensch den Splitter schärfen. So entstanden der Faustkeil und die erste Klinge, die in der harten Hand festgehalten, Kralle und Zahn des Raubtieres

Kralle und Zahn des Raubtieres ersetzten

Kralle und Zahn des Raubtieres ersetzten

ersetzten. Für die Hände der Frau war der Stein zu hart. Holz und Knochen waren die Stoffe, die sie brauchte, und der Mann schuf daraus die ersten Geräte für die Arbeit der Frau. Vor allem benötigte die Frau den Grabstock, ein zurechtgeschnitztes Knochen- oder Holzstück, das es ihr erleichterte, Wurzel und Knollen aus der Erde zu heben. Sie war genügsamer und beherrschter als der Mann, der auf seiner Nahrungssuche das Tier erlegte und dann gleich so viel davon verzehrte, wie er konnte. Die Frau sammelte Wurzeln und Knollen und brachte sie in die Behausung — unter :Felsvorsprünge im Sommer und im Winter in die Höhle. Sie legte Vorräte an, und unter ihrer Obhut gediehen die jungen Menschenkinder.

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